Der prämierte Entwurf dieser Kindertagesstätte vereint im Innen- und Außenraum vielfältige Möglichkeiten für Raumerfahrungen, Lernumgebungen und Interaktion. Durch ein differenziertes architektonisches Konzept entstehen Räume, die Kommunikation fördern, neue Perspektiven eröffnen und unterschiedliche Sichtbezüge ermöglichen. Die Architektur schafft damit eine Umgebung, die den natürlichen Forscherdrang und die Abenteuerlust von Kindern unterstützt, gleichzeitig aber auch Geborgenheit und Orientierung vermittelt.
Eine zentrale Grundlage des Entwurfs war der intensive Dialog mit allen Beteiligten: den Trägern der Einrichtung, den Erzieherinnen und insbesondere den Kindern selbst. Im Rahmen eines innovativen Verhandlungsspiels, das einen abstrahierten Grundriss sowie Alltags-, Experten-, Aktivitäten- und Atmosphärenkarten umfasste, wurden die Bedürfnisse und Wünsche der Nutzerinnen systematisch erarbeitet.
Ein bedeutendes Ergebnis dieses Prozesses war der Wunsch, den Bereich zwischen den Gruppen- und Gemeinschaftsräumen flexibel zu gestalten. Dieser Zwischenraum sollte vielfältig nutzbar sein – für freies Spiel, pädagogische Aktivitäten und kreative Entfaltung. Zudem wurde großer Wert auf eine kindgerechte Gestaltung gelegt, die sowohl den Entdeckergeist als auch das Bedürfnis nach Rückzug und Sicherheit anspricht.
Das Gebäude selbst gliedert sich in drei spielerisch gestaltete „Häuser“ und erstreckt sich über ein bis zwei Geschosse. Die Verkehrsflächen sind so konzipiert, dass sie nicht nur Durchgangsräume darstellen, sondern aktiv in die pädagogische Nutzung einbezogen werden können. In der Raumgestaltung verschmelzen Architektur und Pädagogik zu einer Synergie, die den Zielen des sächsischen Bildungsplans entspricht.
Die Räume der nach Altersgruppen organisierten Kinder sind farblich abgestimmt, wobei die Farbgestaltung Orientierung und eine klare Struktur bietet. Durch diese Differenzierung können Kinder ihre Umgebung intuitiv erkunden und sich schnell zurechtfinden. Besonders spannend ist die architektonische Struktur: Die abgewinkelten Flure und versetzten Ebenen verhindern, dass das Gebäude auf einen Blick erfasst werden kann. Dadurch entsteht eine spielerische Spannung, die zum Erkunden einlädt und den Entdeckungsdrang der Kinder fördert.
Die Farbgestaltung des Gebäudes wurde bewusst so gewählt, dass sie ein harmonisches Zusammenspiel aus Geborgenheit und Neugier erzeugt. Sanfte, warme Farbtöne vermitteln Sicherheit und Ruhe, während kräftigere Akzente zu Entdeckungstouren und kreativen Aktivitäten anregen. Diese Balance unterstützt die Kinder in ihrer Entwicklung, indem sie ihnen sowohl Schutzräume bietet als auch ihre Abenteuerlust weckt.
Durch die gezielte Einbindung der Nutzer*innen und die kluge Umsetzung ihrer Wünsche und Bedürfnisse ist eine Kindertagesstätte entstanden, die weit über ihre funktionale Aufgabe hinausgeht. Sie ist ein Ort der Inspiration, der Entfaltung und des Miteinanders – ein Raum, der die kindliche Entwicklung auf spielerische und nachhaltige Weise fördert.