... im Gespräch.
Interview mit Arch. DI Santosh Kumar Ketham von Thinking Hand
GUT!: Sie geben viele Workshops in Indien im Rahmen Ihrer NGO Thinking Hand. Sie haben auch zwei gebaute Projekte umgesetzt, darunter das „Juvenile Classroom“ Projekt. Wie akquirieren Sie Projekte und wie entstehen die Ideen für neue Projekte?
Santosh K. Ketham: Also, vor dem „Juvenile Classroom“ Projekt haben wir einen Workshop mit kreativem Arbeiten und Handwerksworkshop mit Waisenkindern gemacht. Zur Ausstellung der Arbeiten kamen dann zwei Psychologen, die ein Jugendheim betrieben, und luden uns ein, dort etwas Ähnliches zu veranstalten. Ich wusste, was ein Jugendheim ist, aber der erste Eindruck hat mich überwältigt – so viele Kinder von vier bis 14 Jahren, die alle in denselben Räumlichkeiten waren. Ich dachte: „Die Kinder müssen rausgehen. Sie brauchen ein offenes Klassenzimmer draußen.“
GUT!: Wie finanzieren Sie die Projekte?
Santosh K. Ketham: Bis jetzt hat niemand wirklich etwas finanziert. Ich finanziere es selbst, aus meiner eigenen Tasche, wobei ca. 70% meines Geldes an die NGO gehen.
GUT!: Nun, aber Sie hatten einige Sponsoren für das „Juvenile Classroom“ Projekt, richtig?
Santosh K. Ketham: Ja. Wir haben die Materialien von Fundermax bekommen und etwas Geld von der Universität Innsbruck für die Workshops und die Materialien.
GUT!: Falls ein Projekt die Kosten übersteigt und das Sponsoring nicht ausreicht, wie wird es finanziert?
Santosh K. Ketham: Was denkt ihr?
GUT!: Von Ihnen.
Santosh K. Ketham: Ja. Weil ich immer versuche, mein Bestes zu geben, um Leute an Bord zu holen, aber manchmal klappt es nicht. Aber ich glaube daran, also muss ich es tun, obwohl ich vielleicht nicht viel zurückbekomme, aber zumindest versuche ich, etwas Gutes zu tun.
GUT!: Wenn Sie von „speculative Design“ oder „speculative Architecture“ sprechen, inwiefern ist das Ihrer Meinung nach relevant?
Santosh K. Ketham: Weil es die Art ist, Dinge zu sehen. Wie sonst kann man Dinge tun? Manchmal muss man nicht alles mit einer konkreten Lösung umsetzen. Manchmal muss man Dinge neu überdenken. Die Rolle des Architekten hat sich verändert. Um also auf Deine Frage nach dem spekulativen Design zu antworten: Ich denke, das ist sehr wichtig. Das Theoretische und Spekulative, das man in der Universität lernt, ist wichtig im Kopf zu behalten. Gleichzeitig muss man aber auch die Realität vor Ort sehen.
am 10.01.2025