... im Gespräch.
Interview mit Arch. DI Peter Klein von ACC Ziviltechniker GmbH
GUT!: Herr Klein, wann haben Sie gewusst, dass Sie Architekt werden möchten?
Peter Klein: Tatsächlich wusste ich das schon im Kindergarten. Ich war immer von der Idee fasziniert, etwas Bleibendes zu schaffen und dabei unabhängig zu sein. Ein Schlüsselmoment war meine erste Zeichenstunde im Gymnasium, in der ich mich selbst als Architekt gezeichnet habe – mit Zirkel und Lineal.
GUT!: Gab es Phasen, in denen Sie an Ihrem Berufswunsch gezweifelt haben?
Peter Klein: Kurzzeitig schon. Als Kind wollte ich Polizist werden, weil ich dachte, Polizisten dürfen überall parken. Später, nach einem Unfall, spielte ich mit dem Gedanken, Arzt zu werden. Aber letztlich wurde mir klar, dass diese Berufe nicht zu mir passen. Ich wollte kreativ sein und selbstständig arbeiten, und Architektur verbindet genau das.
GUT!: Wie verlief Ihr Weg in die Selbstständigkeit?
Peter Klein: Nach meinem Studium habe ich in einem Büro mit drei Partnern gearbeitet. Das war eine wertvolle Zeit, in der ich viel über die Dynamik von Partnerschaften gelernt habe. Während meiner fünfjährigen Ziviltechnikeranwärterschaft entstand die Idee, mein eigenes Büro zu gründen. Die Ziviltechnikerprüfung war damals anspruchsvoll: Fünf Jahre Berufserfahrung und ein Jahr örtliche Bauaufsicht waren Voraussetzung. Ich habe mir zwei Wochen freigenommen, um mich auf den Kurs vorzubereiten. Diese Zeit hat mich auf die Herausforderungen der Selbstständigkeit gut vorbereitet.
GUT!: Welche waren die größten Herausforderungen in der Anfangszeit?
Peter Klein: Zu Beginn waren die Aufträge klein, oft Umbauten von Einfamilienhäusern. Da ging es häufig darum, mit ziemlich wenig Budget kreative Ideen zu entwickeln. Es war wirklich nicht einfach, sich einen Namen zu machen und finanziell tragbare Projekte zu finden. Gleichzeitig musste ich lernen, nicht alles allein machen zu wollen.
GUT!: Wie wichtig war für Sie das Thema Netzwerken?
Peter Klein: Netzwerken ist extrem wichtig. Allerdings verstehe ich darunter nicht das klassische „Networking“, bei dem man sich überall anbietet. Es geht darum, authentisch zu bleiben und durch Qualität und Begeisterung Empfehlungen zu erhalten. Gute Kontakte entstehen oft durch ehrliche Kommunikation.
GUT!: Wie wichtig ist die Balance zwischen kreativer Arbeit und Kommunikation?
Peter Klein: Beide sind essenziell. Ein guter Entwurf nützt nichts, wenn man ihn nicht überzeugend vermitteln kann. Gleichzeitig darf man sich nicht ausschließlich auf Kommunikation konzentrieren und die kreative Weiterentwicklung vernachlässigen. Es ist eine Balance, die man mit der Zeit lernt.
GUT!: Wie sehen Sie die Zusammenarbeit in Ihrem Team?
Peter Klein: Jeder im Team hat seine eigenen Stärken und Schwächen, und wir versuchen, diese gezielt einzusetzen. Niemand kann alles perfekt, aber gemeinsam kann man sehr viel erreichen.
GUT!: Wie wichtig ist der persönliche Kontakt zu Ihren Kunden?
Peter Klein: Sehr wichtig. Über 90 Prozent unserer Kunden kommen wieder, weil sie unsere Ehrlichkeit und Transparenz schätzen. Natürlich zeige ich nicht gleich beim ersten Treffen meine Schwächen, aber langfristig bauen wir eine Beziehung auf, die auf Vertrauen basiert. Kunden möchten, dass der Architekt präsent ist, egal ob es um ein Einfamilienhaus oder ein großes Projekt geht.
GUT!: Ihr Arbeitspensum ist beeindruckend. Wie hat sich das über die Jahre entwickelt?
Peter Klein: Die Intensität hat sich kaum verändert. Früher habe ich noch weniger geschlafen, vielleicht zwei Stunden pro Nacht, und bin manchmal in der Nacht noch joggen gegangen. Der Beruf verlangt viel Einsatz, und die Kunden erwarten, dass man als Architekt immer informiert ist. Ich schaue mir nach wie vor alle Pläne und Schriftstücke selbst an.
GUT!: Können Sie sich vorstellen, irgendwann kürzerzutreten?
Peter Klein: Nein, nicht wirklich. Die Kunden möchten den Architekten sehen, auch bei kleinen Projekten. Wenn man sich zu sehr zurückzieht, verliert man den Anschluss. Ein gutes Beispiel ist mein ehemaliger Chef, der mit 85 Jahren noch aktiv an Planungsgesprächen teilnimmt. Das zeigt, wie wichtig Präsenz im Beruf ist.
GUT!: Sie haben sich auch in sozialen Projekten engagiert. Können Sie uns mehr darüber erzählen?
Peter Klein: Ein Projekt, das mir besonders am Herzen liegt, ist der Bau einer HTL in Burkina Faso. Die Idee dazu kam von einem Freund, der die Vision hatte, eine technische Schule in einer der ärmsten Regionen Westafrikas zu schaffen. Das Projekt begann 2020, nachdem wir mehrere Jahre lang über die Umsetzung gesprochen und Sponsoren gesucht hatten. Die Schule ist einzigartig in der Region und bietet 300 Schülerinnen und Schülern eine technische Ausbildung in sechs verschiedenen Fachrichtungen. Besonders beeindruckend war für mich, dass wir von Anfang an darauf geachtet haben, die lokalen Gegebenheiten und Ressourcen in die Planung einzubeziehen.
GUT!: Welches Material haben Sie benutzt?
Peter Klein: Wir nutzten Laterit, ein lokal verfügbares Gestein, und bezogen 18 Familien in den Bau ein, wodurch wir nachhaltige Materialien verwendeten, die lokale Wirtschaft stärkten und Infrastruktur schufen. Die Schule steht zudem als Vorbild für zukünftige Projekte, die nicht nur Nachhaltigkeit, sondern auch Gemeinschaft fördern.
GUT!: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrer Arbeit?
Peter Klein: Nachhaltigkeit bedeutet für mich, den Bestand zu respektieren und das Stadtbild zu bewahren. Ein Beispiel ist ein Projekt in Wien, bei dem wir ein 125 Jahre altes Gebäude umgebaut haben, ohne neuen Beton zu verwenden. Statt abzureißen und neu zu bauen, haben wir gezeigt, wie man Ressourcen schonen kann. Nachhaltigkeit heißt auch, auf die grüne Wiese zu verzichten und stattdessen bestehende Gebäude umzunutzen.
GUT!: Das ist beeindruckend. Welche Tipps haben Sie an junge Architekten?
Peter Klein: Geduld, Offenheit und Begeisterung für die Arbeit sind entscheidend, um langfristig erfolgreich zu sein. Junge Architekten sollten sich bewusst sein, dass der Erfolg nicht von heute auf morgen kommt. Es braucht Zeit, um sich einen Namen zu machen und Vertrauen bei potenziellen Kunden aufzubauen. Gleichzeitig ist es essenziell, sich ein belastbares Netzwerk zu schaffen – sei es durch Kontakte aus der Studienzeit, frühere Arbeitsstellen oder berufliche Veranstaltungen.
Wichtig ist auch, die sich bietenden Chancen zu erkennen und zu nutzen, selbst wenn sie auf den ersten Blick klein erscheinen. Oftmals entstehen daraus langfristige Kooperationen und Aufträge. Ein weiterer Aspekt, den ich betonen möchte, ist die Teamarbeit. Niemand kann alle Bereiche der Architektur perfekt abdecken, und es ist klug, sich mit Menschen zu umgeben, die Stärken in Bereichen haben, in denen man selbst vielleicht weniger Erfahrung hat. Die Fähigkeit, zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu ergänzen, ist gerade in der Architektur ein Schlüsselfaktor für den Erfolg.
GUT!: Worauf achten Sie bei Bewerbungen?
Peter Klein: Mir ist besonders wichtig, wie gut jemand ins Team passt. Zeugnisse und Noten spielen dabei eine untergeordnete Rolle, da sie nicht immer die Persönlichkeit oder tatsächlichen Fähigkeiten widerspiegeln. Wichtiger ist Offenheit und die Bereitschaft, Neues zu lernen. Architektur erfordert Flexibilität, da man ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert wird.
GUT!: Abschließend gefragt: Was macht für Sie einen guten Architekten aus?
Peter Klein: Ein guter Architekt ist jemand, der nicht nur kreativ und technisch kompetent ist, sondern auch empathisch und kommunikationsstark. Er versteht die Bedürfnisse seiner Kunden und kann diese in überzeugende Lösungen umsetzen. Es geht nicht nur darum, Gebäude zu entwerfen, sondern auch darum, Räume zu schaffen, die das Leben der Menschen verbessern.
am 07.11.2024