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Wie geht Kollektiv?

Das Architekturkollektiv AKT versteht Architektur als aktiven, kommunikativen Prozess, der das alltägliche Leben prägt. Ein Beispiel ist ihre Mitgestaltung des österreichischen Pavillons bei der Biennale di Venezia 2023. Zusammen mit Hermann Czech plante AKT den Pavillon temporär umzubauen, um einen Teil des Gebäudes für die lokale Bevölkerung zugänglich zu machen und die Beziehung zwischen Biennale und Stadtbevölkerung zu stärken.


AKT steht für eine neue Art des Arbeitens und Denkens in der Architektur. Wir haben uns mit Harald Trapp und Gerhard Flora von AKT getroffen, um mehr über ihre Motivation, ihre Arbeitsweise und ihre Projekte zu erfahren.


LOS!: Wie ist das Architekturkollektiv AKT entstanden, und was waren eure Beweggründe?

AKT: Unser Kollektiv entstand aus einer Unzufriedenheit mit den traditionellen Strukturen in der Architektur. Viele von uns wollten eine Alternative zu hierarchischen Arbeitsweisen und Abhängigkeiten von Auftraggebern schaffen. Inspiriert durch Erfahrungen in London und die Arbeit mit anderen Kollektiven, gründeten wir AKT mit über 20 Mitgliedern. Unser Ziel war es, eine Plattform für gemeinsames Denken und Arbeiten zu schaffen und Architektur als gesellschaftlich relevante Disziplin neu zu denken.
LOS!: Wie organisiert ihr eure Zusammenarbeit, und welche Prinzipien verfolgt ihr?

AKT: Wir arbeiten ohne klassische Hierarchien. Entscheidungen treffen wir im Konsens oder durch Abstimmungen. Uns ist wichtig, dass die Anonymität des Kollektivs gewahrt bleibt. Projekte und Texte werden immer unter dem Namen AKT veröffentlicht, ohne individuelle Autorenschaft hervorzuheben. Jeder bringt seine spezifischen Fähigkeiten ein, sei es handwerklich oder theoretisch. Diese Vielfalt bereichert unsere Arbeit enorm.

LOS!: Welche Rolle spielt Theorie in euren Projekten?

AKT: Theorie ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Jedes Projekt wird von einer intensiven Reflexion begleitet, und die Ergebnisse dokumentieren wir in Publikationen. Die ersten drei Projekte halfen uns, unseren theoretischen Hintergrund zu schärfen. Wir grenzen uns bewusst von der „darstellenden Architektur“ ab und legen Wert auf Her-stellung und gemeinschaftliches Bauen. Häufig setzen wir unsere Projekte selbst um, um Kontrolle über den gesamten Prozess zu behalten und die Dynamik des Kollektivs zu stärken.

LOS!: Wie geht ihr mit Konflikten um, die innerhalb des Kollektivs entstehen?

AKT: Konflikte lösen wir durch Diskussionen und Abstimmungen. Einmal, in einer festgefahrenen Situation, haben wir sogar eine Münze geworfen, um eine Entscheidung zu treffen. Solche Momente erfordern natürlich Kompromissbereitschaft, aber sie gehören dazu, wenn man hierarchiefrei arbeiten möchte.

LOS!: Welche Ziele habt ihr für die Zukunft, und wie sieht eure Vision aus?

AKT: Wir möchten langfristig größere Projekte realisieren und unsere Arbeitsweise professionalisieren, ohne unsere kollektiven Prinzipien aufzugeben. Es geht uns darum, Architektur als soziale und kulturelle Praxis weiterzuentwickeln und eine nachhaltige Basis für unsere Arbeit zu schaffen.

LOS!: Welche Ratschläge würdet ihr uns als junges Kollektiv geben?

AKT: Unser wichtigster Ratschlag ist, ein klares inhaltliches Profil zu entwickeln. Es ist entscheidend, einen gedanklichen Bezugsrahmen zu haben, welcher die Identität und Ausrichtung eures neu gegründeten Kollektivs definiert. Gleichzeitig solltet ihr bereit sein, dass ihr euch auf kollektive Strukturen einlasst und auch bereit sein, Kompromisse einzugehen. 
Das wird euch sicherlich helfen, eure Ziele zu erreichen.

LOS!: Wie würdet ihr euren Erfolg bisher zusammenfassen?

AKT: Unser Erfolg liegt in der gemeinsamen Arbeit und der klaren Vision. AKT ist mehr als die Summe seiner Mitglieder. Wir sehen uns als Plattform, die Architektur als gesellschaftlich relevante Praxis neu denkt und umsetzt. Das Wichtigste ist, die kollektive Organisation mit einer starken inhaltlichen Ausrichtung zu verbinden.