Wir haben uns mit Angelo Stagno getroffen, einem visionären Architekten und nachhaltigen Denker, der sich intensiv mit der Zukunft des Augartens und der intelligenten Nutzung von Ressourcen beschäftigt. In unserem Gespräch ging es um seine Ideen, wie historische Strukturen wie Flaktürme in Wasserreservoirs umgewandelt werden können, die Bedeutung von Mikroklima in urbanen Räumen und innovative Ansätze in der Elektromobilität. Stagno verbindet Nachhaltigkeit, Tradition und moderne Technologien auf einzigartige Weise – ein Dialog voller Inspiration und neuer Perspektiven.
Angelo Stagno wurde in Matera (Italien) geboren und absolvierte eine Ausbildung zum Geometer sowie ein Studium der Architektur in Innsbruck und Wien. Sein Arbeitsschwerpunkt sind neue Bautechniken und Materialien. Seit 1989 lebt er in Österreich.
LOS!: Auf der Suche nach gewagten Ideen, haben wir von Deiner Idee für die Flaktürme im Augarten gehört. Kannst du uns mehr dazu erzählen?
Angelo Stagno: Sehr gerne. Ich wohne in der Nähe des Augartens und bin stark mit diesem Ort verbunden. Der Augarten hat eine mikroklimatische Bedeutung. Die tiefe Lage sorgt dafür, dass Wasser in den Kellern steht und Kapillarität entsteht. Diese Gegebenheiten beeinflussen meine Ideen. Besonders interessiert mich die Nutzung der vorhandenen Flaktürme. Diese könnten in Wasserreservoirs umgewandelt werden, um das Mikroklima des Gebiets zu verbessern.
LOS!: Wie könnte das als Projekt umgesetzt werden?
Angelo Stagno: Wir haben ein Pilotprojekt angedacht, bei dem Wasser von den Dächern der barocken Filmarchivgebäudes gesammelt wird. Es könnten Zisternen unter der Erde installiert und mit Solarpumpen betrieben werden, um eine autarke Wasserversorgung zu schaffen. Ziel ist es, Ressourcen effizienter zu nutzen. Zudem denke ich darüber nach, wie die Flaktürme genutzt werden können, die seit Jahren leer stehen.
LOS!: Welche Herausforderungen siehst du dabei?
Angelo Stagno: Die praktische Umsetzung ist komplex, aber machbar. Das große Ziel, die Flaktürme in Wasserreservoirs umzubauen, ist erreichbar. So könnten diese Denkmäler durchmoderne Technologien nachhaltig genutzt werden, ohne ihre historische Substanz zu verlieren. Wir arbeiten bereits mit Experten wie Professor Klaus Bollinger zusammen, um sicherzustellen, dass die Statik und der Denkmalschutz berücksichtigt werden.
LOS!: Welche Auswirkungen hätte das auf die Stadtplanung?
Angelo Stagno: Solche Projekte würden das Mikroklima und die Lebensqualität verbessern. Statt mehr Bäume zu pflanzen, könnten wir bestehende Strukturen intelligenter nutzen. Das wäre ein Modell für andere Städte. Besonders die Integration von Wasserwirtschaft und Architektur könnte ein Vorbild sein.
LOS!: Du beschäftigst Dich auch mit Elektromobilität. Was machst du in diesem Bereich?
Angelo Stagno: Ich rüste alte Fahrzeuge auf Elektrobetrieb um, etwa Vespa-Modelle. So verbinden wir Nachhaltigkeit mit Design. Zum Beispiel habe ich ein Tuk-Tuk zu einer mobilen Eisdiele umgebaut, die mit einem Elektromotor betrieben wird. Dabei nutze ich lokale Ressourcen wie Honig aus Wien. Ich arbeite auch mit internationalen Partnern, um Prototypen zu entwickeln, die zeigen, wie bestehende Fahrzeuge modernisiert werden können.
LOS!: Wie passt dein biographischer Hintergrund zu diesen Projekten?
Angelo Stagno: Ich komme aus Matera, einer der ältesten Städte der Welt. Dort wurde seit Jahrtausenden Regenwasser in Zisternen gesammelt. Diese Art von nachhaltiger Planung inspiriert mich. In Wien möchte ich diese Prinzipien auf moderne Technologien und städtische Herausforderungen übertragen.
LOS!: Gibt es Unterstützung für solche Projekte?
Angelo Stagno: Es gibt oft Skepsis, aber auch viel Interesse. Glaubwürdigkeit und direkte Kontakte sind entscheidend. Ich arbeite alleine, aber mit einem Netzwerk aus Partnern, darunter Architekturbüros wie Auböck-Karasz und Universitäten wie die BOKU. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es, innovative Lösungen zu entwickeln.
LOS!: Danke für die Einblicke! Gibt es etwas, das du uns mitgeben möchtest?
Angelo Stagno: Ich hoffe, dass junge Leute wie ihr diese Ideen weitertragen. Projekte und Visionen sind wie Kinder – sie wachsen und schaffen Zukunft. Meine Vision ist eine Stadt, die ihre Ressourcen intelligent nutzt und dabei Geschichte und Modernität verbindet.