Ulrike Pitro hat mit 2 Partnern, Florian Sammer und Jochen Hoog, das Büro ASAP – ZT GmbH gegründet. Mittlerweile sind sie zu zweit und haben 3 Mitarbeiter. Sie machen hauptsächlich Projekte in Wien und Niederösterreich mit einem großen Schwerpunkt auf Wohnbau, geförderter Wohnbau. Derzeit versuchen sie ihren Schwerpunkt auch in Innenraum Architektur noch mehr aufzubauen.
Ein Zitat von Ihrer Homepage: „Architektur darf Spaß machen, Humor haben, Emotionen wecken und sich verändern dürfen. Architekturschaffende übrigens auch!“ Welche Leitlinie verfolgt das Büro?
Was wir wollen,ist gute Architektur machen, eh klar – und an Schnittstellen arbeiten. Bei unsist das Team sehr wichtig. Einerseits in den Projekten, also wir würden uns wünschen integrativere Planungsprozesse zu haben und mehr einfach auch mit den Leuten an einem Tisch sitzen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Wir würden uns wünschen da ganzheitlicher mitzureden, aber auch andere früher ins Boot zunehmen. Wir glauben überhaupt nicht daran, dass jetzt der/die Architekt*in mit dem Künstlerschal sagt: „Das habe ich mir so vorgestellt“. Das ist, glaube ich, auch überhaupt nicht mehr unser Job. Ich glaube, dass wir als Architektinnen eine sehr hohe Kompetenz haben in unserem Beruf, aber die hat eine sehr große Schnittmenge mit anderen Disziplinen/Fachgebieten. Und dasselbe gilt andererseits innerhalb vom Büro: Also viel Spaß zu haben bei der Arbeit, aber vor allem auch wirklich die Kompetenzen von jedem einzelnen und jeder einzelnen zu nutzen. Logischerweise haben wir andere Aufgaben und Verantwortungen. Das wird einem klar, wenn man zehn Jahre ein Büro hat: flache Hierarchien sind super, aber es ist halt auch Florians und meine Aufgabe, dass der Laden rennt. Das ist gar nicht soo lustig. Ich glaube, solche Prozesse sind wichtig, um eine Architektur für eine gelungene Gesellschaft zu machen. Es ist wichtig, trotz aller Vorgaben, inhaltlich nicht zu vergessen, diese Räume verbinden Menschen.
Warum und wie wurde das Büro gegründet?
Prinzipiell haben wir drei, die ASAP gegründet haben uns als Assistent*innen am Institut für Gebäudelehre kennengelernt, Durch die gemeinsame Arbeit bei Manfred Wolf-Plotegg, war es auch klar, uns interessieren ähnliche Herangehensweisen. Ich glaube, das ist wichtig - man muss nicht identisch sein als Personen oder in seinen Kompetenzen, aber wir haben eine ähnliche Herangehensweise, was uns an Architektur interessiert. Davor haben wir alle in selbstständigen Konstellationen mit anderen Partnern gearbeitet. Mit einem Partner habe ich angefangen Wettbewerbe zu machen. Dadurch haben wir ein Büro gesucht und uns bei Florian eingemietet, den wir dann auch gekapert haben. Somit entstand dann so etwas wie ein Dachverband; jeder von uns macht noch eigene Projekte, aber Wettbewerbe machen wir gemeinsam. Und dass wir zu dritt ein Büro haben wollen, hat sich dann relativschnell ergeben.
Wie ist das Büro zu dem Namen ASAP gekommen?
Das war ein langer Prozess, es gibt viele Erklärungen. Wir wollten einen sehr neutralen Namen, und das hat zwei Herangehensweisen. Einerseits ist die Langversion „Agency For Spatial And Architectural Potential“. Am Anfang wollten wir nicht nur Architekturprojekte machen, sondern auch in Zwischenebenen arbeiten. Leider sind wir davon mittlerweile ein bisschen weggekommen. Das ist immer noch ein Plan, aber wir finden nie so richtig die Zeit. Das zweite war ein Schmäh von uns, ASAP ist ja die Abkürzung für die englische Formel „as soon as possible“. Wir müssen in der Architektur ja immer alles so schnell wie möglich machen. Also so das, was im Mail steht: „Wir brauchen das, und das. ASAP“. Also immer dieser Druck und auch unsere eigene Ungeduld. Mittlerweile wird es mir hin und wieder auch zu viel mit dem „Abgabe bitte vorgestern“.
Was würdest du als die größte Hürde und aber auch das Schönste am Gründen eines Büros sehen?
Ich glaube, die größte Hürde ist, dass ich das Gefühl habe, die Bürogründung ist nie ganz zu Ende. Wenn man anfängt, hat man so eine Vorstellung „Jetzt machen wir mal drei Wettbewerbe und dann gewinnen wir einen und dann sind wir ein Büro und dann werden wir immer größer.“ In Wirklichkeit ist das ein wellenförmig verlaufender Prozess. Das ist auch ein großer Teil der Freude, dass man immer ein bisschen daran bastelt und nicht das Gefühl hat, die nächsten zwanzig Jahre wird es jetzt so sein. Die letzten zehn Jahre gab es ganz unterschiedliche Phasen, auch wenn manche schwierig waren. Büros, die auf fünfzig oder hundert Mitarbeiter rauf gehen, haben da eher eine Stabilität. Aber ich finde, es ist relativ volatil. Also es ist nicht so, dass man nach drei Jahren sagt, jetzt haben wir es geschafft. Ich finde das Gründen ist gar nicht so schwer – da ist man so in dieser Euphorie. Ja, einen Auftrag muss man halt kriegen, eh klar.
Anknüpfenddaran: Wie werden die Aufträge lukriert oder von wo kommen die meisten Kunden?
Wir machen sehr viele Wettbewerbe. Aber auch Akquise spielt eine Rolle. Es ist schon noch so, dass man die Leute auch ansprechen muss, denn es gibt nicht mehr so viel offene Wettbewerbe. es gibt auch Projekte, die wir über Wettbewerbe akquirieren, wo wir aber zuerst irgendwie zumindest zu einem Wettbewerb eingeladen werden. Dann müssen wir immer noch den Wettbewerb gewinnen. Man muss auch mal den Bauträger oder Bauherren ansprechen, dass die einen in einen Wettbewerb mitnehmen. Der ganze geförderte Wohnbau sind Bauträgerwettbewerbe und nicht Architekt*innenwettbewerbe. Das heißt, der Bauträger tritt an mit einembestimmten Architekturbüro. Das heißt, wenn dich keiner kennt, machst du auch kein Bauträgerwettbewerb. Es gibt sehr viel mehr Architekturbüros als Bauträger, deswegen ist es gewissermaßen schon eine Konkurrenzsituation in den Wettbewerb zu kommen.
Wie wird das Büro nach außen hin dargestellt? Legt ihr viel Wert auf Außendarstellung, oder ob das eher eine Nebensache ist?
Es ist, glaube ich, in der gesamten Branche ein relativ großes Fragezeichen, was diese Außendarstellung ist. Also: schaut ein Bauträger wirklich auf die Homepage? Schaut er auf Instagram, was wir mittlerweile haben? Wo wir eigentlich alle, auch alle befreundeten Büros, die ich kenne, nicht wissen, ob wir das machen, damit die Kolleg*innen sehen, was wir machen, oder ob daraus wirklich jemals ein Auftrag erwächst oder man nur Bewerbungen von Studierenden kriegt, wenn man da aktiv ist - was ja auch nicht schlecht ist. Es ist wahnsinnigviel selbstgebastelt. Ich finde schon wichtig, einen Außenauftritt zu haben oder eine durchdachte Grafik und einen professionellen Auftritt. Man müsste auch sicher mehr PR machen. Wir haben immer wieder Ansätze gehabt, das zu tun und auch zu professionalisieren. Es geht aber bei uns im Alltag immer ein bisschen unter, es ist auch ein großer Diskussionspunkt im Büro. Ich habe auch manchmal das Gefühl, wir sind so ein geschlossener Kreis, die Architektur an sich, dass ich gar nicht weiß, ob jemand von außen drauf schaut. Es gibt ja auch so diese ganz erfolgreichen Büros, die dann nicht mal eine Homepage haben, die schaffen das alles irgendwie anders. Aber ich glaube wirklich, dass es immer ein Fragezeichen ist. Wenn wir jetzt irrsinnig viel Energie darein stecken, liest das überhaupt wer? Also wir wissen es alle nicht so ganz genau. Wie sehr wir da jetzt noch mehr Zeit reinbuttern sollten und was wir davon haben. Oder ob wir nicht lieber noch einen Wettbewerb machen in der Zeit.