Was hat Sie dazu motiviert, sich auf Holzbau zu spezialisieren?
Meine persönliche Entwicklung im Bereich Holzbau war nicht von Anfang an geplant. Nach dem Studium bin ich zunächst nicht direkt in den Holzbau eingestiegen, sondern habe meine Karriere in einem kleinen Architekturbüro begonnen. Dort war ich fünf Jahre lang tätig. Das Büro war allgemein auf Architektur spezialisiert, ohne einen spezifischen Fokus auf Holzbau. Eines Tages erhielt ich dann von außen die Anregung: „Warum machst du dich nicht selbstständig?“ – eine Idee, die ich ohnehin schon länger im Hinterkopf hatte. Genau zu dieser Zeit suchte Hermann Kaufmann nach neuen Mitarbeitenden. Ich dachte mir: „Ja, als freiberuflicher Mitarbeiter könnte ich mir das gutvorstellen.“ So bin ich schließlich eher zufällig in den Holzbau hinein gerutscht. In den vergangenen 25 Jahren habe ich mich in diesem Bereich immer weiterentwickelt und mit dem Holzbau „mitgewachsen“. Heute ist für mich der Baustoff fast keine Frage mehr, denn die Prioritäten liegen klar: Nachhaltigkeit, Ökologie und ressourcenschonendes Bauen stehen bei uns an oberster Stelle.
Wie ist Holz historisch und regional in Vorarlberg verankert?
Hermann Kaufmann stammt aus dem Bregenzerwald, einer Region mit einer tief verwurzelten Holzbau-Tradition. Der elterliche Betrieb, ein Zimmereibetrieb, besteht bis heute und wird inzwischen von seinem Onkel weitergeführt. Diese enge Verbindung zum Holzbau hat ihn von klein auf geprägt und seine berufliche Ausrichtung maßgeblich beeinflusst. Wie bereits angesprochen, entwickelt sich die Architektur zunehmend in Richtung Holzbau. Der Fokus liegt dabei immer stärker auf hybriden Bauweisen und einem bewussteren Umgang mit Ressourcen. Gleichzeitig findet ein Wandel weg von zementhaltigen Materialien wie Beton statt. Sollte Beton zum Einsatzkommen, wird er bevorzugt in recycelter Form verwendet, um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren.
Wie sehen Sie die Rolle des Holzbaus in der Zukunft der Architektur?
Holz ist zweifellos ein Baustoff der Zukunft. Unser Ansatz ist es, Materialien effizient und gezielt dort einzusetzen, wo sie sinnvoll sind, und sie dort zu vermeiden, wo ihr Einsatz keinen Mehrwert bietet. Ein Beispiel: Wenn wir in Gebäudeklasse 5 arbeiten und ein Holzbau nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand realisierbar wäre – etwa durch aufwändige Verkleidungen, um den Brandschutzvorgaben gerecht zu werden – könnte der Einsatz von Holz infrage gestellt werden. In solchen Fällen muss abgewogen werden, ob es sinnvoller ist, auf andere Materialien zurückzugreifen, die diesen Anforderungen besserentsprechen. Ebenso gibt es bauliche Situationen, wie große Spannweiten bei Flachdecken, in denen der Holzbau an seine Grenzen stößt. Hier ist es wichtig, die Gegebenheiten genau zu analysieren und je nach Anforderung das passende Material zu wählen.
Gibt es Projekte, bei denen Sie von vornherein entscheiden, dass der Holzbau keine geeignete Lösung ist, oder findet man immer eine Möglichkeit, Holz zu verwenden?
Bisher haben wir immer eine Lösung gefunden, bei der Holz eine Rolle gespielt hat. Die entscheidende Frage ist jedoch die Menge des Holz-Einsatzes und wie viel davon tatsächlich möglich ist. Im gemeinnützigen Wohnbau war es eine Zeit lang so, dass reine Holzbauten realisiert wurden. Dann kam jedoch der Börsencrash und die damit verbundene Teuerung, was den Markt beeinflusste. Heute setzen wir dort verstärkt auf Hybridbauweisen – das bedeutet, dass wir massive Decken, Stahlbetonstützen und Außenwandelemente kombinieren. Wenn es möglich ist, wird zumindest die oberste Decke in Holz ausgeführt. Im privaten Wohnbau ist es so, dass man das Klientel oft nur dann überzeugt, wenn es sich um reine Holzbauten handelt. Im Industriebau haben wir hingegen kürzlich ein großes Projekt in Gaisbach bei Waldenburg umgesetzt, bei dem wir eine Holzhalle gebaut haben. In dieser Halle wird mit offenem Feuer gearbeitet, was normalerweise eine Herausforderung darstellt. Aber auch hier haben sich die Grenzen weit verschoben – mit einem guten Brandschutzkonzept und der Unterstützung eines erfahrenen Brandschutz-Sachverständigen ist vieles möglich.
Braucht man viel Erfahrung für Holzbau? Braucht man handwerkliche Geschicke? Wie ist der Einstieg in den Holzbau?
Man wächst in die Arbeit hinein. Mit der Arbeit lernt man, und durch das Lernen macht man Fehler. Aus diesen Fehlern ergeben sich oft wertvolle Erkenntnisse. Letztlich ist es egal, ob man im Holzbau oder im konventionellen Bau tätig ist – es ist eine ganz normale Entwicklung, die jeder für sich selbst durchläuft. Es ist weder schwerer noch leichter, es ist einfach ein Prozess. Ich habe viele Absolventen erlebt, die direktnach dem Studium in den Holzbau einsteigen, obwohl sie vorher wenig oder gar nichts darüber gelernt haben. In solchen Fällen ist es vor allem ein "learning by doing".
Es ist interessant, dass Holzbau mittlerweile vermehrt an Universitäten gelehrt wird. Kann man sagen, dass dieses Thema in der letzten Zeit verstärkt an Bedeutung gewonnen hat?
Hermann hat 2002 den Lehrstuhl an der TU München übernommen und das Institut für Holzbau und Entwerfen gegründet. Das ist nun bereits seit 23 Jahren.
Wie beeinflusst die Wahl des Materials Ihre Entwurfsstrategien oder Designentscheidungen?
Bei der Wahl des Materials stellt sich immer die Frage: Gibt es bestehende Referenzen, die sich gut für den Holzbau eignen? Dabei müssen wir auch immer die Nutzung des Gebäudes berücksichtigen: Handelt es sich um einen öffentlichen Bau, einen mehrgeschossigen Bau oder vielleicht um ein Einfamilienhaus? Gibt es spezielle Anforderungen, wie etwa Schallschutz? Zudem spielen die konstruktiven Anforderungen eine große Rolle: Was für einen Statiker habe ich? Welche spezifischen statischen Anforderungen sind zu beachten? Auf dieser Grundlage entwickeln wir dann das passende Konstrukt. Ein Baukastensystem, wie es vielleicht oft angefragt wird, gibt es dabei nicht wirklich. Die Herangehensweise variiert je nach Projekt. Beispielsweise könnte eine KLH-Außenwand mit PSB-Decke eine Lösung sein, aber ebenso gut könnte man eine ganz normale Rahmenbauweise mit Zellulosedämmung, DWD-Platte außen, OSB-Platte innen und Hohlkastenelementen als Zwischendecke in Betracht ziehen. Auch Diagonalschalungen und eine Aufdachdämmung für die oberste Decke sind denkbar. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, je nach den Anforderungen des Projekts.
Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Technologie im Holzbau in den letzten Jahren weiterentwickelt? Gab es in diesem Bereich nennenswerte Innovationen?
Besonders im Bereich der Holz-Beton-Verbunddecke hat sich in den letzten Jahren viel getan. Auch die Vorfertigungstechnologie hat große Fortschritte gemacht. Vor etwa 28 Jahren haben wir die ersten vollständig vorgefertigten Holzbauelemente umgesetzt, inklusive eingebauter Fenster und Fassade. Mittlerweile hat sich der Trend eher wieder in Richtung Elementbauweise mit nachträglichem Einbau der Fenster und Fassadeentwickelt. Gleichzeitig ist jedoch die Größe der vorgefertigten Elemente, wie Außenwände, Stützen oder Wandelemente, deutlich gewachsen. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Weiterentwicklung der Holz-Beton-Verbunddecken, die mittlerweile vor allem im Bürobau eine große Rolle spielen. Auch der Modulbau hat stark an Bedeutung gewonnen, vor allem bei Projekten wie Schulen, Kindergärten und Hotels. Dieser Bereich boomt derzeit besonders, und das nicht nur in Süddeutschland, sondern auch im hohen Norden.
Erfordert der Baustellenbetrieb spezielle Kenntnisse seitens der Handwerker, um mit Holzfachgerecht umzugehen? Ist es eine Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte zu finden, die die Arbeiten vor Ort professionell ausführen können?
Das Thema lässt sich in zwei Teile gliedern:
Zunächst beginnt die Herausforderung bereits in der Planungsphase. Im Holzbau arbeiten wir nicht streng linear nach den klassischen Leistungsphasen, wie sie in Deutschland üblich sind – von der Vorplanung (LPH 2) über die Genehmigungsplanung(LPH 4) bis hin zur Ausführungsplanung (LPH 5). Im Holzbau greifen diese Phasen ineinander. So beginnen wir bereits in der LPH 2 mit der detaillierten Planung, teilweise parallel zur LPH 5. Die Genehmigungsplanung (LPH 4) entsteht dabei fast als Nebenprodukt aus der Ausführungsplanung. Das hat Konsequenzen für die Bauherrschaft: Sie mussfrühzeitig in bestimmte Planungs- und Vergabeschritte einsteigen, also bereits in einer Phase, in der Genehmigungen noch ungewiss sind. Das bedeutet ein gewisses Risiko und eine frühe Kostenbindung, die vor der abschließenden Bewilligung entsteht. Auf der Baustelle selbst gibt es dann spezifische Anforderungen, besonders was die Gebäudehülle betrifft. In der Regel vergeben wir Arbeiten wie Fenster, Fassade, Dach und Zimmermannsarbeiten als ein zusammenhängendes Paket. Das ist entscheidend für die Koordination und für den Witterungsschutz, der von Anfang an mit geplant werden muss. Holz selbst stellt dabei kein Hindernis dar. Die Herausforderung liegt vielmehr in der Logistik und Organisation, also darin, wie die Arbeiten auf der Baustelle sinnvoll ablaufen und von Beginn an durchdacht werden.
Wie sieht der typische Planungsprozess bei einem Holzbauprojekt aus?
Das ist eine interessante Frage, die durchaus komplex ist. Wenn man mit organischen Formen arbeitet, wird es schnellproblematisch. Zu Beginn müssen wir sicherstellen, dass das Design in ein geometrisches Korsett passt, das holzbautechnisch auch umsetzbar ist. Daher denken wir immer in sehr klaren geometrischen Strukturen und Achsen – diese sind im Endeffekt in unseren Köpfen fest verankert. Die geometrische Abhandlung von Räumlichkeiten und Funktionen ist entscheidend. Auch wenn man sagt, dass Entwerfen grundsätzlich unabhängig davon ist, ob man einen Holzbau oder einen anderen Baustoff verwendet, spielt sich der Prozess in unseren Köpfen doch anders ab als bei anderen Bauweisen. Im Holzbau sind wir durch bestimmte Regeln und Beschränkungen stärker gebunden, während wir beim Betonbaudeutlich freier in Bezug auf Spannweiten und Formwahl sind. Holz hat spezifische Anforderungen, die man berücksichtigen muss, was die Planungsfreiheit im Vergleich zu anderen Materialien einschränkt.
Wie ist es nach vielen Jahren Erfahrung im Holzbau in Bezug auf Flexibilität und Freiheit? Greifen Sie oft auf bewährte Lösungen zurück, oder wird für jedes Projekt immer wieder Neues geplant?
Es wird immer wieder neu geplant. Zum Thema Flexibilität: Ein Beispiel ist die Produktionshalle in Waldenburg, bei der wir eine freie Spannweite von 42 Metern erreichen. Die Halle besteht aus fünf Schiffe mit einer Spannweite von 18 Metern,30 x 82 ist ein Feld, mit einer Stütze in der Mitte. Es lässt sich also viel umsetzen. Flexibilität zeigt sich vor allem in der Geometrie – insbesondere bei der Berücksichtigung von Freiformen. Ein aktuelles Beispiel aus Saudi-Arabien ist das Hotel von Foster + Partners, das mit einem freien organischen Tragwerkrealisiert wurde. In diesem Fall stellt sich die Frage, ob Holzbau hier der richtige Ansatz war oder ob er an einem anderen Ort besser umgesetzt worden wäre.
Gibt es internationale Vorbilder oder Projekte, die Sie inspirieren?
In Bezug auf Inspiration kann man sich viel von den Japanern abschauen, insbesondere von den alten Teehäusern. Diese haben eine bemerkenswerte Herangehensweise an Holzbau. Aktuell ist auch Michael Green, ein kanadischer Architekt, eine interessante Figur, die für ihre innovativen Holzbauprojekte bekannt ist. Ein weiteres Beispiel ist Tom Kaden aus Berlin, der ebenfalls schon seit längerer Zeit im Holzbau tätig ist. Es gibt also durchaus Persönlichkeiten, auf die man ein Augenmerk legen kann, um persönliche Erkenntnisse und Inspiration zu gewinnen.
Gibt es häufig vorkommende Kundenanforderungen oder Wünsche im Bereich Holzbau?
Ja, es gibt immer spezifische Wünsche und Anforderungen von Kunden. Wir versuchen, diese schon früh im Prozess, etwa in einem ersten oder zweiten Gespräch, zu erfassen. Dabei ermutigen wir die Bauherrschaften, ihre Wünsche, Anforderungen, Besonderheiten und Lebensgewohnheiten auf Papier zu bringen. Wenn diese Punkte schriftlich vorliegen, dient uns das als eine Art „Nutzungsvereinbarung“, wie wir es nennen. Auf dieser Basis orientieren wir uns bei der Planung und Gestaltung – sowohl funktional nach innen als auch ästhetisch nach außen. Unser Ansatz ist, stets vom Kern des Projekts nach außen zu entwerfen, statt lediglich ein optisch ansprechendes Äußeres zu schaffen. Materialkombinationen spielen dabei eine wichtige Rolle. Es gibt beispielsweise spannende Kontraste: warmes Holz am Boden, Holzakustikelemente an der Decke und dazu eine Sichtbetonwand als bewusster Gegenpol. Solche Kombinationen können Räume individuell gestalten und Akzente setzen. Was wir jedoch nicht machen, sind reine Betonmonolithe, wie sie beispielsweise von Marte. Marte umgesetzt werden. Das entspricht nicht unserer Philosophie.
Welche Strategien nutzen Sie, um neue Kunden oder Projekte zu gewinnen?
Zu 99,9 % kommen die Kunden direkt auf uns zu. Nur etwa 0,1 % unserer Projekteresultieren aus gewonnenen Wettbewerben.
Wie sensibilisieren Sie Ihre Kunden für ökologische Aspekte?
Das ist für uns nicht relevant, da die Kunden, die sich an uns wenden, diese Aspekte bereits im Fokus haben. Sie haben sich bewusst für Holz oder Holz-Hybridbauentschieden, weil ihnen Ökologie und Nachhaltigkeit wichtig sind. Wir müssen sie also nicht davon überzeugen, was sie bereits möchten. Wo Überzeugungskraft gefragt ist, geht es eher um die Abwägung zwischen verschiedenen Bauweisen – etwa, ob ein Hybridbaubesser geeignet ist oder ein reiner Holzbau mehr Sinn ergibt. Ein aktuelles Beispiel ist ein Bürobauprojekt, das als Vermietungsobjekt geplant wurde. Die Frage war, ob ein Stahlbetonskelettbau mit vorgehängten Fassaden oder ein Holzbau sinnvoller ist. Ich habe den Kunden vorgerechnet, dass der Holzbau in diesem Fall günstiger wäre als die konventionelle Bauweise. Das bedeutet aber nicht, dass Holzbau immer günstiger ist – es gibt auch Fälle, in denen die Kostendurch zusätzliche Akustikmaßnahmen steigen. Wichtig ist, dass man immer vergleichbare Parameter heranzieht, also „Äpfel mit Äpfeln“ vergleicht und nicht „Äpfel mit Birnen“.
Wie unterscheidet sich Holzbau als nachhaltige Bauweise von anderen ökologischen Materialien, und welche weiteren Alternativen gibt es, um noch ökologischer zu bauen?
Im Bereich der nachhaltigen Bauweise gibt es verschiedene interessante Alternativen. Eine Möglichkeit, die zunehmend Beachtung findet, ist die Dämmung mit Stroh. Ein Kollege von uns aus dem Ländle hat bereits die ersten zwei Häuser damit realisiert. Wir selbst haben bisher noch keine Erfahrung damit gemacht, ebenso wie mit den Außenwandelementen aus Stampflehm, die von Martin Rauch entwickelt wurden. Diese Materialien finden vor allem im Innenbereich Anwendung, aber wir haben sie bislang noch nicht in unseren Projekten eingesetzt. Wir selbst bleiben im Holzbau auf konventionellen Wegen, setzen also hauptsächlich auf Holzrahmenbau und KLH(Kreuzlagenholz). In den letzten Jahren haben wir auch Projekte mit reinholzbasierten Außenwänden umgesetzt – zum Beispiel ein Projekt in der Nähe von Heidelberg, bei dem wir auf zusätzliche Dämmung verzichtet haben. Der Trend geht zunehmend in Richtung reiner Holzbau, bei dem die Holzaußenwand das Hauptbaumaterialdarstellt.
Gibt es weitere Nachhaltigkeitsaspekte, die Sie in Ihren Projekten regelmäßig berücksichtigen, wie zum Beispiel Energieverbrauch, Energiegewinnung oder andere umweltrelevante Faktoren, abgesehen von der Materialwahl?
Nachhaltigkeit umfasst für uns auf jeden Fall auch die Nutzung regenerativer Energieträger. Ein wichtiger Aspekt ist dabei der Einsatz von Wärmepumpen, sei es für tief entfernte Wärme, Wärmepumpe oder Luft-Wärmepumpen. Allerdings sehe ich die Luft-Wärmepumpe kritisch, insbesondere wegen der möglichen Lärmbelästigung, ihres Wirkungsgradsund der optischen Belastung, wenn sie im Freien vor einem Gebäude platziert wird. In unserer Region gibt es zunehmend Förderungen für solche Technologien, aber auch der Ausbau von Nah- und Fernwärmesystemen ist ein relevantes Thema, sofern diese verfügbar sind. Wenn keine dieser Optionen in Frage kommt, bleibt oft nur noch die Nutzung von Öl oder Gas – was mittlerweile vielen bewusst ist, dass es keine nachhaltige Lösung ist.
Welche Maßnahmentreffen Sie, um CO₂-Emissionen währenddes Bauens zu minimieren?
Beim Bauen muss man natürlich darauf schauen, woher die Materialien kommen, welche Energieaufwendungen notwendig sind, um die Baustoffe zu erzeugen, und was es für Auswirkungen hat, wenn man diese Materialienverbaut. Auch der Rückbau nach der Nutzungsdauer spielt eine Rolle. Wir befassen uns da mit den Lebenszykluskosten und den Prinzipien von "Reduce" und "Reuse". Persönlich sehe ich es momentan als schwierig an, ein Gebäude ausschließlich aus recycelten Materialien zu planen. Man müsste im Prinzip den Katalog der verfügbaren Materialien vor sich haben – etwa eine Auswahl an Fenstern und Türen in bestimmten Ausführungen – und nach diesen Vorgabenplanen, um das umzusetzen, was man gerne hätte. Ich halte das im Moment für kritisch.
Arbeiten sie im Büro mit BIM-Programme?
Wir haben bisher ein Projekt mit BIM abgewickelt. Das hat jedoch nur funktioniert, weil der Bauherr, die Illwerke vkw, eigene Techniker im Büro hatte und uns 50% der Mehrkosten übernommen hat. Derzeit versuchen wir, einen Standard zu entwickeln. Doch immer wieder werden wir auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, wenn wir Bauteile entwerfen, die zunächst gebaut werden müssen, bevor sie in ein BIM-Modell integriert werden können. In solchen Momenten stellen wir uns die Frage, welchen Mehrwert wir aus der Nutzung von BIM wirklich ziehen und warum die Bauherrschaft bereit ist, dafür mehr zu bezahlen. Was die CAD-Programme betrifft, sind diese noch nicht weit genug entwickelt, um BIM wirklich zu unterstützen. Mit ALLPLAN tut man sich schwer. ARCHICAD und REVIT sind etwas besser, aber das funktioniert nur, wenn es sich um einen Massivbau handelt. Im Holzbau ist BIM in der Tiefe noch keine wirkliche Option.
Welche aktuellen Trends im Holzbau finden Sie besonders spannend oder richtungsweisend?
Wie bereits erwähnt, ist das Thema Holzfassaden ohne zusätzliche Dämmung momentan ein Trend, der sich zunehmend abzeichnet. Auch begrünte Fassaden gewinnen immer mehr an Bedeutung und kommen verstärkt zum Einsatz. Darüber hinaus beschäftigen wir uns intensiv mit Klebeverbindungen, allerdings wird es noch einige Zeit dauern, bis diese Technologie weiter verbreitet und ausgereift ist. Insgesamt sind aktuell jedoch keine weiteren großen Trends erkennbar, die für uns von unmittelbarem Interesse wären.
Was muss bei der Umsetzung begrünter Fassaden beachtet werden, damit sie wirklich funktional sind und nicht, wie es leider oft der Fall ist, nur als optisches Element dienen, ohne die gewünschten Ergebnisse zu erzielen?
Das ist eine gute Frage. Wir stehen da auch noch am Anfang. Bisher haben wir zwei Projekte umgesetzt, bei denen wir begrünte Fassaden realisiert haben. Diese Fassaden sind vor der eigentlichen Wand angeordnet und mit Rankgerüsten versehen, an denen Pflanzen wie Efeu nach oben wachsen. Wichtig ist dabei, dass die Fassadendauerhaft bewässert und ordnungsgemäß entwässert werden, damit das Wasser abfließen kann und die Pflanzen nicht im Wasser stehen, falls es durch Regenfälle zu Überschwemmungen kommt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, sich Beispiele aus anderen Ländern anzusehen. In Asien, besonders in Singapur, gibt es innovative Projekte, die eine Vorreiterrolle im Bereich begrünter Fassaden einnehmen. Dort werden solche Konzepte oft auch im Innenraum integriert. Bei uns sind wir jedoch noch am Anfang dieses Prozesses.
Welche Bedeutung hat der digitale Auftritt (z. B. Website, Social Media) für Ihre Kommunikation und die Präsentation Ihres Architekturbüros? Wie hat sich Ihr Außenauftritt im Laufe der Zeit entwickelt, um Ihr Spezialgebiet im Holzbau hervorzuheben?
Der digitale Auftritt ist für uns von großer Bedeutung. Wir sind momentan auf drei Standbeinen aktiv. Zum einen ist da unsere Website, die kontinuierlich weiterentwickelt und überarbeitet wird. Aktuell arbeiten wir an einer neuen Version oder an einer Weiterentwicklung der bestehenden Seite. Instagram ist ein weiteres wichtiges Thema, auf dem wir bereits einiges gemacht haben und auch weiterhin aktiv sind. Im Momentbefinden wir uns jedoch in einem Umbruch und planen, mit einer reduzierten und neu strukturierten Form ab Februar aufzutreten. Was LinkedIn betrifft, ist es persönlich nicht mein bevorzugtes Medium. Ich empfinde es als textlastig und bin mir unsicher, welchen Mehrwertes für uns als Büro bietet. Einige meiner Kollegen sehen das jedoch anders, aber ich spreche hier meine persönliche Meinung aus. Dennoch ist es natürlich wichtig, in der Öffentlichkeit präsent zu bleiben. Regelmäßig über Wettbewerbsbeiträge oder durch Vorträge von Kollegen wie Hermann Kaufmann oder Christoph Dünser in der Lehre sichtbar zu bleiben, ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil unserer Kommunikation.
Gibt es eine Person in Ihrem Büro, die für das Management Ihrer Website und Social Media-Kanäle wie Instagram verantwortlich ist, oder wird dies direkt von der Geschäftsführung übernommen?
Nein, das wird bei uns von drei Personen betreut. Wir arbeiten mit einem externen Grafikbüro zusammen, das unseren Webauftritt gestaltet. Zusätzlich haben wir eine Person im Büro, die zu 100 % für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Eine weitere Person mit 125 % Arbeitskraft kümmert sich um unseren Instagram-Account und die Veröffentlichungspläne. Bis Ende dieses Jahres haben wir zudem eine weitere Person, die die aktuelle Strategie entwickelt hat, nach der wir momentan arbeiten. Wir planen jedoch, in Zukunft wieder mehr in die Richtung einer bodenständigeren und direkteren Kommunikation zu gehen, mit klareren und vereinfachten Textformulierungen. Es ist wichtig, stets am Ball zu bleiben und regelmäßig neue, interessante Inhalte zu präsentieren. Man muss sich kontinuierlich weiterentwickeln, um Aufmerksamkeit zu erregen und relevant zubleiben. Dabei stellt sich auch die Frage: Wie erreicht man mehr Menschen? Wie gewinnt man Follower? Wenn man sich andere Architekturbüros anschaut: Was machen diese besser? Wo können wir als Büro Schlüsse ziehen und lernen, um uns weiterzuentwickeln?
Welche Ratschläge würden Siejungen Architekten geben, die sich auf Holzbau spezialisieren möchten?
Das ist eine sehr gute Frage. Wenn man noch studiert und kurz davor ist, das Studium abzuschließen, würde ich auf jeden Fall empfehlen, ein halbjähriges Praktikum in einem Büro zu absolvieren – mindestens sechs Monate, besser ein ganzes Jahr. In Deutschland ist das für Studierende nach dem Bachelor verpflichtend, in Österreich hingegen nicht, was ich jedoch als sehr sinnvoll erachte. Ein weiterer Ratschlag, der generell für junge Architektengilt, ist, am Anfang in einem kleineren Büro zu arbeiten. In einem kleinen Büro hat man die Möglichkeit, verschiedene Aufgaben zu übernehmen und einen breiten Überblick über die Arbeit eines Architekten zu bekommen. Das kann sehr wertvoll sein, um Erfahrung zu sammeln, egal ob man sich auf Holzbau spezialisiert oder nicht. Für mich persönlich war es sehr hilfreich, meine Karriere in einemkleinen Büro zu beginnen, um dann später in größeren Büros Fuß zu fassen und mich weiterzuentwickeln.
Würden Sie Ihr Büro mittlerweile als ein größeres Büro bezeichnen?
Unser Büro würde ich als mittelgroß bezeichnen. Insgesamt sind wir 37 Mitarbeiter, wobei etwa 30 von uns hauptsächlich im Planungsworkflow tätig sind. 5 oder 6 Personen, mich eingeschlossen, sind nicht direkt in der Planung tätig. Obwohl ich ursprünglich als Architekt eingestellt wurde, bin ich seit über 20 Jahren mehr oder weniger in der Büroleitung tätig. Daher würde ich sagen, wir sind ein mittelgroßes Büro.
Könnten Sie uns von einem Ihrer Lieblingsprojekte erzählen, an dem Sie selbst beteiligt waren und das besonders gute Erinnerungen bei Ihnen hervorruft? Und gibt es ein anderes Projekt, an dem Sie nicht direkt beteiligt waren, das Sie besonders beeindruckt oder inspiriert hat?
Ein Projekt, das mir besonders am Herzen liegt, ist das Gemeindezentrum Ludesch, bei dem ich die letzte Projektleitung übernehmen durfte. Es gilt nach wie vor als Pionierprojekt im Bereich des ökologischen Holzbaus. Es handelt sich um ein öffentliches Gebäude mit einer gewissen Größenordnung und Komplexität aufgrund der unterschiedlichen Nutzungsanforderungen. Der Bau wurde vollständig in Holzbauweise umgesetzt, ist ein Passivhaus Plus Energie und setzt auf eine ökologische Materialwahl. Ein Projekt, das heute noch als ein Musterprojekt gilt. Ein weiteres bemerkenswertes Projekt ist das Illwerke Zentrum Montafon. Es handelt sich um ein Bürogebäude im Holz-Hybridbau mit fünf Geschossen und einer Länge von 120 Metern. Besonders hervorzuheben war die erstmalige Anwendung einer von uns im Vorfeldentwickelten Hybriddecke. Die Herausforderung bei diesem Projekt lag vor allem in der Vergabe, da es nur eine Firma gab, die diese spezielle Konstruktion umsetzen konnte.
Gab es bei Ihrem Projekt in Ludesch bestimmte Herausforderungen oder Probleme, an die Sie sich noch gut erinnern können und die während der Planung oder Umsetzung aufgetreten sind?
Das erste Problem hat jetzt nichts direkt mit dem Holzbau zu tun, sondern eher mit der Vorplatzgestaltung, bei der wir eine eingefärbte Betonplatte hergestellt haben, die wir sandstrahlen wollten. Der ausführende Unternehmer sagte, er würde die Platte betonieren, das Monofinish herstellen, die Fugen anschließend schneiden und dann mit einem Gerät darüber fahren. Das stellte sich jedoch als nicht so einfach heraus. Man musste dann mit verschiedenen Sandstrahlgeräten arbeiten, und aufgrund des Monofinishes brauchte man eine spezielle Ausrüstung, mit der man über die Platte fuhr. Dabei wurden die Fugen ein wenig angerissen, und die Oberfläche war nicht mehr so sauber wie zu Beginn. Das war das erste Problem. Das zweite Problem betraf die Genauigkeit und Umsicht des ausführenden Unternehmens in Bezug auf die Dichtheit der Gebäudehülle. Nach dem ersten Winter zeigten sich an den Holzunterkonstruktionen diverse Flecken, die wie Eiszapfen aussahen. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass der Elektriker ein Rohr nach außen geführt hatte, aber nicht ordnungsgemäß abgedichtet hatte. Zusätzlich war die Fuge des Holzbau-Deckenelements nicht sauber abgeklebt, wodurch Luft von außen durch die Fugen zwischen den Deckenelementen eindringen konnte. Dies führte dazu, dass sich die Eiszapfen an der Außenuntersicht abzeichneten. Solche Probleme konnten jedoch behoben werden. Ein dritter Punkt: Wir hatten das Holz aus unserem eigenen Wald. Das bedeutet, ein Jahr vor Baubeginn musste es eingeschlagen, gesägt und in die Trockenkammer gegeben werden. Während der Bauphase sind uns jedoch die Hölzer ausgegangen und es mussten neue bestellt werden. Diese neuen Hölzer waren leider zu nass, wo die Feuchtigkeit40-45% betrug. Wir haben dann die Untersichten für drei Monate offen gelassen, bis das Holz die notwendige Trockenheit erreicht hatte, und erst dann haben wir es verbaut. Das sind Erkenntnisse, die man daraus gewinnt, und beim nächsten Mal wird man vorsichtiger und umsichtiger damit umgehen.
Achten Sie bei Ihren Projekten stets darauf, dass das Holz aus der Region stammt?
Wir versuchen, dies zu berücksichtigen, wenn es möglich ist, aber in vielen Fällen lässt sich das nicht so einfachumsetzen. Es ist machbar, wenn man öffentliche Auftraggeber hat oder einen privaten Auftraggeber, der über einen eigenen Wald verfügt. Bei normalen Verbrauchern, wie Einfamilienhausbauern, lässt sich das jedoch kaum realisieren. Diese Kunden kommen im Frühjahr, wollen im Herbst mit dem Bau beginnen und erwarten, ein Jahr später einzuziehen. In solchen Fällen funktioniert es nicht, da man einen Vorlauf von mindestens einem Jahr braucht und sowohl die Kenntnis als auch die Motivation zur Umsetzung erforderlich sind.
Im Hinblick auf Feuchtigkeit im Holzbau kommt es gelegentlich zu Problemen. Ist es in solchen Fällen oft möglich, diese zu beheben?
Das passiert vor allem dann, wenn die ausführenden Unternehmen nicht achtsam genug sind. Wenn der Witterungsschutz nicht korrekt umgesetzt wird, entstehen Schwierigkeiten. Arbeitet man in Etappen, muss sichergestellt werden, dass in jeder dieser Etappen der Witterungsschutz gewährleistet ist. Es darf nicht passieren, dass belastbare Stellen mit Wasser durchtränkt werden. Es gibt tatsächlich Beispiele, bei denen ganze Holzbauten aufgrund solcher Nachlässigkeiten „abgesoffen“ sind.