© EDEK, Universität Kassel
Pilze sind in der Lage, fast alle organischen Stoffe wie Stroh, Sägespäne und weitere zu zersetzen bzw. umzuwandeln. Dabei sind die Hyphen des Pilzes aktiv. Es sind die fadenförmigen Zellen, die in ihrer Gesamtheit Myzel oder Myzelium genannt werden und nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Das Myzel bildet bei der Zersetzung von Zellulose und anderen organischen Materialien ein verdichtetes dreidimensionales Netzwerk und ist in der Lage, aus diesen Materialien eine komplexe und dichte Makrostrukturen und damit eine selbsttragende Struktur zu bilden.
© Philipp Eversmann, Jan Wurm,Prof. Dirk Hebel
Das Myzel, das meist unsichtbar und großflächig unter der Erde wächst, hat also Eigenschaften, die sich für die Herstellung von nachhaltigen und energieneutralen Baustoffen nutzen lassen. Das dabei entstehende Material ist eine Verbindung mit einem organischen Substrat wie Getreidereste, Holzspäne, Hanfschäben oder anderen landwirtschaftliche Reststoffen. Diese Stoffe dienen dem Pilz als Nahrung und werden im Laufe des Stoffwechselvorgangs komplett von einem feinen Geflecht aus Myzel durchzogen. Es entsteht ein weiches, schwammartiges und rein organisches Komposit, das in eine gewünschte Form gebracht und durch thermische Behandlung stabilisiert bzw. gefestigt werden kann. Mit bestimmten Verfahren ist es also möglich, vordefinierte Makrostrukturen aufzubauen und damit die Struktur des Myzels auf gewünschte Leistungsmerkmale abzustimmen. Eigenschaften wie Porösität, Textur, Festigkeit, Elastizität und Faserorientierung können gesteuert und so ein leichter und stabiler Bio-Verbundwerkstoff „gezüchtet“ werden. Vorteile vom Bauen mit Pilzen.
© G. Rauwolf & V. Roznowski
Die Verwendung von Pilzen als Baustoff gewinnt zunehmend an Bedeutung in der nachhaltigen Architektur und Bauindustrie. Myzel, das Wurzelgeflecht von Pilzen, kann als biologisches Material zur Herstellung von Dämmstoffen, Wandplatten und sogar tragenden Elementen genutzt werden. Diese Materialien sind nicht nur leicht und flexibel, sondern bieten auch hervorragende Dämmwerte für Wände, Böden und Dächer. Darüber hinaus sind Pilzmaterialien biologisch abbaubar und tragen zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks bei. In Kombination mit anderen natürlichen Materialien können sie zudem zur Schaffung von Wandziegeln oder Platten für den Innenausbau verwendet werden, die nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch ansprechend sind. Die Verwendung von Pilzen in der Bauindustrie fördert die Kreislaufwirtschaft und bietet innovative Lösungen für zeitgemäße Bauprojekte, die sowohl umweltfreundlich als auch ressourcenschonend sind.