„Bagdad ist für mich Granatäpfel und Rosenblüten. Und mein Großvater der vor dem Haus sitzt. “ 

Mariam Algorgi
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Im Gespräch mit
Mariam Al Gorgi

Nachdem Mariam das Masterstudium Architektur beendete, zog sie zurück in die Ukraine. Ihr Diplomarbeitsthema führte zu einer beruflichen Spezialisierung und so begann Mariam als Projektkoordinato- rin und Kuratorin bei raumplanerischen Organisationen zu arbeiten. Gleichzeitig gründete sie, zusammen mit ihrem Kollegen Dima Isaiev, die Nichtregierungsorganisation Misto Diya. Hauptziel der Organisation ist die Entwicklung von Wohngemeinden, unter der Berück- sichtigung der Bedürfnisse der Bewohner.

Wie lange hast du insgesamt an deiner Diplomarbeit gearbeitet?

16 Monate


Wie ist dein Thema entstanden?

Durch Anregung von Außen, von einem Verein

Warum hast du dein Thema gewählt?

Aus Ideologischen Gründen

In welchem Ausmaß hatte die Diplom- arbeit Auswirkung auf deine spätere Praxis?

Bedeutend!

Welchem Themengebiet würden Sie Ihre Diplomarbeit zuordnen?

Stadt- und Raumplanung

Handelt deine Diplomarbeit von einem konkreten Ort?

Ja, Obolon, in der Ukraine

Habst Du bei deiner Diplomarbeit mit außeruniversitären Institutionen zu- sammengearbeitet?

Ja, die Organisation Micro Diya arbeitete und forschte mit an dem Projekt.
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BABYLON 2.0

Bagdad, die Hauptstadt des Irak befin-
det sich seit den letzten dreißig Jahren in einem instabilen Zustand. Die einstmals reichste und größte Stadt der Welt musste drei Kriege überleben und konnte sich des- wegen wirtschaftlich, sozial und politisch nicht weiterentwickeln. Im Jahr 2003 wur- de Bagdad zu einer von Betonelementen geteilten Stadt mit segregierten Gebieten.

Die Arbeit von Mariam Al Gorgi beschäftigt sich mit einer neuen Auffassung der Nach- kriegsarchitektur. Die Kernpunkte der Arbeit sind soziale Nachhaltigkeit, Ressourcen, Selbstorganisation, Wiederaufbau und die Utopie der harmonischen Stadt – Babylon.Al Gorgi setzt sich zunächst mit einer um- fassenden Analyse auseinander und geht dann über in drei Entwurfsetappen mit den Themen Reorganisation, Rekonstruktion und Revitalisierung am Beispiel des Stadt- teiles Sadr City. Dabei ändert sie in ihrer Arbeit den Namen der Stadt in ihren ur- sprünglichen Namen „Al Thawra“.

In der Phase der Reorganisation räumt Al Gorgi zunächst die Stadt auf, sie hebt die Potenziale und Probleme hervor und endet mit einem städtebaulichen Konzept. Weiters werden vorhandene Baumaterialien untersucht.Al Gorgi entwirft mithilfe von Materialien aus dem Bestand und den Trümmern eineRekonstruktionshalle. Für den Bau dieser Halle verwendet Al Gorgi die sogenann- ten T-Walls. Diese sind Betonelemente mit denen ein segregiertes Gebiet Bagdads ummauert ist.

In der dritten Phase soll die Stadt schluss- endlich durch Revitalisierungzellen, die sich an unterschiedlichen Orten und Unorten „Al Thawras“ befinden, aufgewertet und wieder- belebt werden. Hierbei wird Bezug genom- men auf die traditionelle Baukultur Bagdads.

Das Ziel der Arbeit ist es, einen Leitfaden zu entwickeln, durch den mithilfe der bestehen- den Ressourcen die Stadt wiederhergestellt werden soll. Denn „Die Thematik des Bau- ens aus Trümmern muss weiterentwickelt werden, da in diesem Bereich noch zu wenig Forschung betrieben wird und gehört somit ausgeweitet ...“, so Al Gorgi.

Mariam Al Gorgi schlägt einen Entwurf der Nachkriegsarchitektur vor und verleiht die- sem einen neuen Ansatz. Dabei bedient sie sich an den bestehenden Ressourcen und transformiert diese in einen neuen städte- baulichen Kontext.

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IMPRESSUM

ARCHDIPLOMA 2019

Institut für Kunst & Gestalten
TU WIEN

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