Wie prägt die zeitliche Dimension die räumliche und atmosphärische Erfahrung des Augartens?
ZEIT ALS GESTALTUNGSKRAFT
Zeit ist ein grundlegender Faktor, welcher die räumliche Wahrnehmung des Menschen beeinflusst und mitbestimmt, wie Orte erlebt sowie genutzt werden. Ein einfach existierender Raum wird zum Teil durch seine Form und Aussehen geprägt. Eine Bedeutung erhält dieser jedoch erst, wenn zeitliche Abläufe ins Spiel kommen. Dazu zählen die Art, wie der Mensch sich durch den Raum bewegt: gehend, laufend, verweilend. Auch die Aufenthaltsdauer und Wiederholung der Besuche haben Auswirkungen wie der Raum erlebt wird. Hinzukommen äußere Einflüsse, wie Tageszeiten und Jahreszeiten, welche die Nutzungsart des Raumes möglicherweise ändern.
Licht, Geräusche und soziale Interaktionen werden von dem Menschen erst auf Dauer wahrgenommen.
ZEIT ALS GESTALTUNGSKRAFT
Diese Wahrnehmungen sind besonders wichtig, denn sie bestimmen die Atmosphäre eines Raumes und somit das Gefühl, das der Mensch in einem Raum hat. Oftmals wird das Aussehen und die Form, also die Architektur eines Raumes im Prozess erfahren, durch durchqueren, innenhalten und wiederkehren. Daher existieren viele Theorien, dass Raum und Zeit miteinander verbunden sind. Die Zeit wirkt folglich als eine unsichtbare Gestaltungskraft, welche Räume gliedert und greifbar macht. Besonders im öffentlichen Raum spielt die zeitliche Dimension eine wesentlich Rolle. Öffentliche Orte werden durch tägliche, wöchentliche und saisonale Rhythmen prägt, welche die Nutzung und Nutzergruppen bis zu einem gewissen Grad regulieren. Wiederkehrende zeitliche Abläufe, wie Arbeitszeiten, Freizeit und Wochenenden ziehen bestimmte Nutzergruppen an, während andere ausgeschlossen werden. Zusätzlich gibt es auch festgelegte zeitliche Regeln, dazu gehören Öffnungszeiten, Zugangsbeschränkungen und Nutzungsverbote.Sie bestimmen wann ein Raum betreten werden darf und beeinflussen, ob ein Raum sicher, offen, ruhig oder belebt wahrgenommen wird. Die Zeit wirkt somit ein Stück weit auch soziales Ordnungsinstrument, das die Atmosphäre und das Verhalten mitbestimmt.In diesem Zusammenhang wurde der Augarten untersucht. Als historisch relevanter Park verbindet er barocke Gestaltungsprinzipien mit modener Alltagsnutzung. Seine Geschichte ist auf Grund der Landschaft und Architektur ablesbar. Die Nutzung des Augartens ist besonders zur heutigen Zeit stark den alltäglichen Rhythmen unterworfen, ob Spaziergänge, sportliche Aktivitäten oder Erholung. Dennoch ist der Augarten ein Raum, welcher für die Allgemeinheit zugänglich ist, aber er unterliegt den von den Bundesgärten definierten Öffnungszeiten. Diese zeitliche Begrenzung sorgt für eine Öffnung und Schließung des Parks. Dies sorgt dafür, dass der Augarten sich vom umgebenden Stadtraum abhebt. Tagsüber zeichnet sich ein Bild eines lebendigen öffentlichen Raumes ab, der jedoch bei Nacht als Nutzungsmöglichkeit im Stadtraum wahrnehmbar verschwindet und für Viele Konsequenzen besitzt, die während der Öffnung nicht auftreten.
Am Morgen wird der Augarten von einer Ruhe dominiert, einige Frühaufsteher nutzen den Park für sportliche Aktivitäten, vereinzelt sind auch Hundebesitzer mit ihren Hunden und Transitnutzer wahrzunehmen. Nachmittags füllt sich der Augarten, es wird voller und lebhafter. Verschiedene Freizeitnutzungen sind zu beobachten bis die Sonne untergeht. Am Abend verändern Licht und Aktivität erneut die Atmosphäre. Dann wird er meist für Gastronomie genutzt. Diese zeitlich bedingten Veränderungen wirken sich nicht nur auf die Nutzung, sondern auch auf das emotionale Erleben des Ortes aus. Der gleiche Raum kann abhängig von der Tageszeit als offen, einladend, belebt oder still empfunden werden.
Dadurch wird deutlich, dass die zeitliche Struktur entscheidend für die Wahrnehmung und Bedeutung eines Ortes ist.
Aus dieser Beobachtung ergibt sich die zentrale Erkenntnis, dass Zeit im Augarten nicht nur einen organisatorischen Rahmen bildet, sondern aktiv auf Atmosphäre, Nutzung und soziale Interaktion einwirkt. Daraus leitet sich die Forschungsfrage ab, die den Fokus dieser Arbeit bestimmt. Wenn Zeit als gestaltender Faktor verstanden wird, stellt sich die Frage, wie genau diese zeitlichen Strukturen auf den Raum wirken. Insbesondere interessiert wie Öffnungszeiten, Tageszeiten und zeitliche Regeln die Atmosphäre des Augartens beeinflussen und welche Auswirkungen sie auf das Verhalten und die Nutzung durch unterschiedliche Personengruppen haben.