HAKOAH SPORTVEREIN

Gegen den Strom

KAPITEL 4:
Verdrängter Spitzensport

Der Sportverein Hakoah wurde am 26. September 1909 gegründet, nachdem jüdische Mitglieder aus zahlreichen Turnvereinen verschiedener österreichischer Nationalitäten sowie aus vielen Sportvereinen verdrängt worden waren. Der Verein entwickelte sich rasch zu einem Erfolgsprojekt, war jedoch gleichzeitig starken Anfeindungen ausgesetzt – Hakoah-Sportlerinnen und -Sportler wurden während Wettkämpfen sogar mit Steinen beworfen. Neben Fußball entstanden bald auch Abteilungen für Schwimmen, Ringen und Leichtathletik. 1923 wurde der neue Hakoah-Sportplatz im Prater, zwischen Krieau und Handelskai, mit einem großen Sportfest eröffnet. Er umfasste ein Fußballfeld mit Platz für rund 25.000 Zuschauer, ein eigenes Hockeyfeld, sechs Tennisplätze, zwei Kabinenanlagen und ein Buffet. In der Saison 1924/25 erreichte Hakoah den Höhepunkt seiner sportlichen Erfolge: Der Verein wurde österreichischer Fußballmeister, gewann die Mannschaftsmeisterschaften im Hockey und Ringen und errang sieben weitere Meistertitel im Schwimmen. Hakoah ist damit zum größten und erfolgreichsten Allround-Sportverein Österreichs geworden.

Nach dem „Anschluss“ wurde das Grundstück im Prater von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. In Wien lebten nach der Verfolgung schließlich weniger Jüdinnen und Juden, als Hakoah noch 1938 Mitglieder gehabt hatte – nur mehr einige tausend. Dennoch nahm der Verein bereits zehn Tage nach Kriegsende wieder seine Tätigkeit auf. Seither bemühte sich Hakoah kontinuierlich darum, sein enteignetes Grundstück zurückzubekommen; in den frühen 2000er-Jahren führte das zu einer intensiven öffentlichen Debatte über einen möglichen neuen Sportplatz im Augarten. 2004 stellte die Stadt Wien schließlich finanzielle Mittel sowie ein 19.500 m² großes Gelände in unmittelbarer Nähe zum alten Krieauer Sportplatz zur Verfügung – nach mehr als sechzig Jahren ohne eigenes Grundstück.

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