SCHULE KARAJANGASSE

Notarrest Karajangasse

KAPITEL 1:
Notarrest! Der verhaftete Kanzler

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1938 wurde eine Schule in der Wiener Karajangasse 14 zu einem Notarrest (provisorisches Gefängnis) umfunktioniert. Das Gebäude war eine stillgelegte Volksschule, heute Teil des Gymnasiums am Augarten. Nach dem „Anschluss“ im Frühjahr 1938 kam es zu Massenverhaftungen politischer Gegner:innen und Jüdinnen und Juden. Eine weitere Verhaftungswelle erfolgte während des Novemberpogroms 1938- es gab zu wenig Platz in Gefängnissen. In der Karajangasse wurden Hunderte Menschen in einem Klassenraum ohne Betten oder Matratzen eingepfercht. Es gab keine Schlafgelegenheiten, keine Vergitterung der Fenster.

Mehrere Häftlinge begingen Selbstmord, indem sie aus den Fenstern sprangen. Reaktion der Polizei: Drohung mit Erschießung jedes Zehnten, falls weitere Häftlinge fliehen oder sich das Leben nehmen. Bekanntester Häftling: Bruno Kreisky (später Außenminister und Bundeskanzler Österreichs). Kreisky wurde unmittelbar nach seiner mündl-
ichen Doktoratsprüfung verhaftet.
Gründe: jüdische Herkunft und politischer Widerstand gegen den Anschluss. Im überfüllten Notgefängnis musste Kreisky den ganzen Tag im Kreis gehen, da kein Platz vorhanden war.

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