MAPPING VIENNA INTO THE CLIMATE
Wie werden die in
wien gängigen
rauschmittel
Produziert und
transportiert?
Lokale Produktion Weltweite Produktion & Importe Produktionsauswirkungen Österreich als Transitland Neue Aspekte Lokaler Produktion
Nachdem wir uns in Frage eins damit beschäftigten, wie und womit sich die Wiener*innen berauschen, soll nun in Frage zwei näher dargestellt werden, wie diese Rauschmittel produziert und nach Wien transportiert werden. Als Produktionsland für illegale Drogen spielt Österreich grundsätzlich keine große Rolle, im Bereich Alkohol bei den legalen Drogen jedoch durchwegs im Bereich Wein und Bier. [C.1]

Wein und Bier sind aktuell die einzig nennenswerten, in Österreich und Wien produzierten Rauschmittel. Der Anbau des Wiener Weins erfolgt sogar ebenfalls zu großen Teilen auf dem Stadtgebiet Wiens, während die Rohstoffe für das Bier, wie Hopfen, Malz und Hefe von außerhalb des Stadtgebiets stammen. [C.2]

In den beigefügten Piktogrammen und Diagrammen können die beiden legalen Rauschmittel Wein und Bier gut verglichen werden. Zudem wird im Balkendiagramm deutlich, dass der Pro-Kopf-Konsum pro Jahr und der Versorgungsgrad im Jahr sehr nah aneinander liegen und somit eine Selbstversorgung mit rein österreichischen Wein und Bier für die Österreicher hypothetisch funktionieren könnte. Dies wirft die Frage auf, ob man sich in diesem Bereich nicht sogar selbst, regional und somit CO²-ärmer versorgen könnte.

Lokale Produktion

Weinbauorte vs. Brauorte in Wien, Stand 2021 [Abb. 3.4]
Konsum von und Versorgung mit Wein und Bier in Österreich, Stand 2018/19 [Abb. 3.5]

Weltweite Produktion & IMporte

Österreich ist Transit- und Verbraucherland. Gleichzeitig spielen Klima- und Umweltaspekte bei diesen beiden Faktoren ebenfalls eine große Rolle. Daher wurde als Hauptgrafik eine komplexe Informationsgrafik zum Import und Anbau weltweit gewählt. Darin werden die Importrouten von den wichtigsten Anbau- und Produktionsländern nach Wien in Verbindung mit den verwendeten Transportmitteln und dem damit verbundenen CO²-Ausstoß dargestellt. [C.1]
Zusätzlich sind noch vier Infografiken der Weltkarte beigefügt. Diese behandeln, wie viele Grenzen die Rauschmittel passieren, wie viele Kilometer sie zurücklegen, welche Transportmittel im Güterverkehr wie viel CO² ausstoßen und schließlich vergleichend, wie viel CO² auf dem einmaligen Transportweg anfällt. Somit bekommt man einen guten Überblick und kann die Rauschmittel untereinander vergleichen.
Weltweite Haupt-Anbaugebiete, -Produktionsorte und -Transportrouten ausgewählter legaler und illegaler Rauschmittel nach Österreich, 2021 [Abb. 3.6]

Die Weltkarte gibt eine Übersicht darüber, woher die in Wien gängigen Rauschmittel kommen auf welchem Wege das geschieht. Den Drogen ist hierbei jeweils eine Farbgruppe je nach Untergruppe in Tabak, Alkohol, Hanf und Chemicals zugeordnet und dann jeweils in die zwei Hauptsorten dieser Gruppen mit zwei unterschiedlichen Farbschattierungen gegliedert. Zudem wird in der Legende auch zwischen legalen und illegalen Rauschmitteln unterschieden.

Überquerte Ländergrenzen nach Rauschmittel, Stand 2021 [Abb. 3.7]

Auf ihrem Transportweg überqueren die Rauschmittel teilweise viele Ländergrenzen. Überraschend ist hierbei, dass die illegale Droge Heroin trotz des Risikos am meisten Grenzen überschreiten muss, da es auf dem Landweg von Afghanistan aus über die Türkei, Bulgarien, Serbien, Kroatien, Slowenien nach Österreich und Westeuropa geschmuggelt wird. Zudem wird deutlich, dass ausschließlich Wein und Bier vorwiegend aus den Nachbarländern importiert werden. [C.1]

Strecke in km nach Rauschmittel, Stand 2021 [Abb. 3.8]

Die Anzahl der überschrittenen Ländergrenzen jedoch ist kein Maßstab für die Länge der Strecke, die die Rauschmittel bis nach Österreich zurücklegen. So schlagen die längsten Strecken für den Transport von Tabak und Tabakwaren aus Kuba und Brasilien zu Buche, obwohl dabei kaum Grenzen passiert werden, da Luft- und Wasserwege benutzt werden.

Danach folgt das Heroin aus Afghanistan und dann mit relativ ähnlichen Transportstrecken die restlichen Rauschmittel. Hier kann wiederum Bier und Wein mit den geringeren Distanzen punkten.

Emissionen im Güterverkehr, Stand 2012 [Abb. 3.9]

Um den CO²-Ausstoß der Rauschmitteltransporte zu errechnen werden zunächst die allgemeinen Emissionen des Lasten- und Güterverkehrs betrachtet und dabei die vier wichtigsten Transportmittel vergleichend betrachtet.

Natürlich benutzen Schmuggler*innen im Bereich der illegalen Drogen neben LKWs auch gelegentlich andere Straßenverkehrsmittel wie Autos oder Reisebusse, doch Lastkraftwägen stellen hierfür ebenfalls einen realistischen Richtwert dar. Am umweltfreundlichsten erscheint in diesem Vergleich die Eisenbahn, mit großem Abstand am belastendsten das Flugzeug. [C.4]

CO²-Ausstoß bei Transport nach Rauschmittel, Stand 2021 [Abb. 3.10]

Obwohl der Zug das umweltschonendste Verkehrsmittel wäre, spielt er beim Transport von Rauschmitteln kaum eine Rolle. Stattdessen werden hauptsächlich LKWs eingesetzt. Deutlich am schlechtesten schneiden Zigaretten ab. Der Anbau von Tabak befindet sich weit entfernt, das wichtigste Werk des Zigaretten-Marktführers Österreichs in Polen. In Österreich selbst gibt es keine nennenswerten Tabakfabriken mehr.

Die restlichen CO²-Werte erscheinen in diesem Vergleich klein, sind jedoch dennoch nicht zu übersehen. Überraschenderweise schlägt der Transport von Zigarren trotz großer Distanz nicht so stark zu Buche wie der von Heroin. Dies liegt daran, dass der Schiffstransport weniger CO² ausstößt als die Straßenverkehrsmittel.

Produktionsauswirkungen

„Vor allem illegaler Drogenanbau ist schädlich. Unter staatlicher Kontrolle könnten extrem viele Umweltschäden vermieden werden. In der Regel werden Drogen aber nicht staatlich kontrolliert angebaut, sondern heimlich, weil Drogen staatlich verboten sind.“ [C.5]
Zigaretten
Nach einer Studie des „Deutschlandfunks” ist der Wasserverbrauch eines Rauchers zehnmal höher als der eines Fleisch-Verzehrers. Raucher, die über 50 Jahre ca. 20 Zigaretten pro Tag konsumieren, verbrauchen im Laufe dieser Zeit 1,4 Mio Liter Wasser, eine Anbaufläche von 3.200 Quadratmetern und 1,3 T Öl an fossiler Energie. Zudem verschwinden in den Anbauregionen Wald- und Buschland, da zum Trocknen des Tabaks viel Brennholz benötigt wird und der Boden wird anfälliger für Erosion und folglich Desertation. [C.5]
Cannabis
Ein einziger Joint setzt ca. 4,5 kg Kohlenstoffdioxid frei. Eigentlich könnte man das Kraut sehr einfach im Freien anbauen, doch dies ist in fast allen Ländern verboten. Daher züchten immer mehr illegale Cannabis-Bauern und Bäuerinnen ihre Pflanzen im Innenraum und stoßen dabei sehr viel CO² aus. Illegaler Outdoor-Anbau ist jedoch auch nicht zwingend umweltfreundlicher. Hanfpflanzen benötigen sehr viel Wasser und müssen vor Insekten und Krankheiten geschützt werden. Ohne die staatlichen Auflagen werden daher häufig auch nicht zugelassene Pestizide eingesetzt. [C.5]
Ecstasy
Ein Großteil des Ecstasys bzw. MDMAs wird von „Gangs“ in den Niederlanden hergestellt. Diese verursachen bei der Produktion der Drogen eine große Menge umweltschädlicher Abfälle wie Salzsäure, Schwefelsäure und Aceton und entsorgen diese in Parks, Wäldern, Kanalisationen oder auf der Straße. Dabei werden häufig auch Gebiete von Nationalparks verseucht.[C.5]
Heroin
Heroin entsteht auf der Basis von Schlafmohn, eine eigentlich genügsame Pflanze, die auch mit wenig Wasser und Nährstoffen überleben kann. In Afghanistan werden viele Wüstenregionen zunehmend mit Schlafmohn bepflanzt. Doch die Pflanzen beziehen ihr Wasser aus tiefen, solarbetriebenen Brunnen, die den Grundwasserspiegel immer weiter sinken lassen. Des Weiteren werden unkontrolliert Pestizide verwendet, die das Grundwasser zusätzlich vergiften. Somit trocknet Afghanistan stellenweise immer weiter aus. [C.5]
Kokain
Kolumbien produziert weltweit das meiste Kokain. Oft wird es in Kinder- und Jugendarbeit geerntet, die damit umgerechnet nur ca. 1,30 Euro am Tag verdienen. Die Arbeiter in den geheimen Laboren im Dschungel „[…] packen die Blätter daraufhin in große Gruben und bestreuen sie mit Zement. Dann kommen Benzin und Ammoniak hinzu. Mithilfe von Aceton, Äther und Salzsäure wird aus der Paste schließlich Kokainpulver. Der Chemiecocktail, der dabei zurückbleibt, landet anschließend in die Natur und tötet Flora und Fauna.“ Aufgrund dessen ist es schwer, verlässliche Daten zu nennen. Eine Studie der UN aus dem Jahr 2017 schätzt aber, dass jährlich mehrere Millionen Tonnen Giftmüll durch die Kokainproduktion in die Natur gelangen. [C.6]

Österreich als Transitland

Drogen-Drehscheibe Flughafen Wien-Schwechat*, Stand 2019 [Abb. 3.11]

In der Infografik wird die Rolle des Flughafen Wien-Schwechat, aber auch von Österreich allgemein als Transitland für Rauschmittel deutlich. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2019 und stehen für eine Momentaufnahme der ausschließlich im Passagierbereich sichergestellten Suchtmittel.

Am Flughafen wurde gemeinsam mit der Zollverwaltung und Polizeidiensthundeführer*innen kontrolliert. Im Frachtbereich wurden dabei im ganzen Jahr keine Suchtmittel sichergestellt. „Im Vergleich zu 2018 verhielten sich die Sicherstellungen aus dem Südamerikanischen Raum rückläufig [und] bei der Einfuhr von Kath Pflanzen im Passagierverkehr wurde 2019 ein starker Rückgang verzeichnet.“ [C.8]

* Der Flughafen Wien-Schwechat
Der Flughafen Wien-Schwechat liegt streng genommen nicht mehr auf dem Stadtgebiet Wiens sondern im benachbarten Bundesland Niederösterreich. Er ist der größte und bekannteste Flughafen Österreichs und „ein Knotenpunkt bei Flügen vor allem nach Osteuropa und in den Nahen Osten. 2019 verbanden ihn 77 Fluggesellschaften mit 217 Zielen in 68 Ländern weltweit.“ [C.7]

Neue Aspekte Lokaler Produktion

Zum Abschluss wird auf eine neue, wachsende Produktion von Rauschmitteln in Wien aufmerksam gemacht: Den Anbau von Cannabis in Indoor-Plantagen. Somit wird ein Rahmen zum Einstieg gefasst, der die traditionelle Wein- und Bierproduktion in Wien behandelt.
In den letzten drei Jahren ist der Anbau von Cannabis in Wien stark im Steigen begriffen. Die Anzahl der durch die Exekutive ermittelten illegalen Cannabis-Plantagen in Wien betrugen im Jahr 2019 103 Indoor- und nur 37 Outdoor-Plantagen. Der Anbau im Außenraum ist also kaum relevant. Dies könnte in Zukunft problematischer werden und sich negativ auf die Umwelt auswirken, da Indoor-Anbau wesentlich CO²-intensiver ist als Outdoor-Anbau. Durch die Illegalität des Anbaus ist jedoch der im Innenraum wesentlich ausgeprägter, da er besser verborgen werden kann. Doch die Grafik enthüllt auch, wie viel Anteil an CO² dabei allein durch die Geruchsvermeidung entsteht. Ein Aspekt, der bei legalem oder nach draußen verlagertem Anbau entfallen würde. [C.9]
CO²-Ausstoß bei Indoor-Anbau von Cannabis, Stand 2016 [Abb. 3.12]

Es ist deutlich geworden, dass die in Wien konsumierten Rauschmittel internationalen Ursprungs sind und oft weite Wege zurücklegen müssen, bis sie zu den Konsumenten in der österreichischen Hauptstadt gelangen.

Dabei ist immer wieder auffällig, dass nicht nur auf diesem Transportweg, sondern auch in der Produktion große Mengen CO² ausgestoßen werden. Zudem verschlingt der Anbau teilweise ebenfalls große Flächen in Monokulturen. Ein Lichtblick ist jedoch der Weinanbau in Wien, der nicht nur durch seine lange Tradition, sondern auch durch seinen Beitrag zum Grüngürtel als Naherholungsgebiet und nicht bebaubare Zone höchst wertvoll zu bewerten ist.

In der dritten Frage beschäftigen wir uns näher damit, wie und wo die Rauschmittel in der Stadt konsumiert werden und versuchen mit Frage vier Lösungsansätze aufzudecken, wie der Rausch klimafreundlicher gestaltet werden kann.